Das Vorleserezeptbuch – heute:
Das Märchen von den “Sieben auf einen Streich” 

Man nehme dazu:

– Ein Märchenbuch und z.B. die Geschichte vom tapferen Schneiderlein.

– Einen  Klassenraum in dem die Stühle im Halbkreis aufgestellt sind.

– Sowie folgende Zutaten:

Einen Stein (an diesem können speziell die Jungens Ihre Kräfte messen) der in eine Kinderhand passt, ein getöpfertes Gefäß (gefüllt mit Pflaumenmus) dazu genügend Plastiklöffel für alle Zuhörer sowie einen selbstangefertigten Gürtel mit der Aufschrift:“ SIEBEN AUF EINEN STREICH“ den ein Schüler tragen darf (wenn vorhanden: 7 Plastikfliegen)  

 

Für wie viele Kinder ?: 10-20 

Passt gut zu: Kinder aus der 4. Klasse, die z.B. das Projekt: Deutsches Kulturgut Märchen behandeln

Empfohlene Vorlesezeit: Eine volle Schulstunde ca. 45-50 Minuten.

Schwierigkeitsgrad: mittel

Spannungsgehalt : aufregend

Allergien: keine bekannt!

 

“Das tapfere Schneiderlein” – Illustration nach dem Märchen der Gebrüder Grimm, von Alexander Zick (1845 – 1907)

Quelle: Alexander Zick, Public domain, via Wikimedia Commons

Zubereitung: Zunächst werden die Kinder auf das Thema moderne Helden eingestimmt und z.B. die Frage gestellt, wer denn z.B. Superman, Spiderman oder Batman  kennt.Und was die den so alles Besonderes können und warum sie so toll sind?  Im Anschluss dann den Kindern erzählen, dass es vor ganz vielen, vielen Jahren, ja sogar tausenden von Jahren auch schon solche Helden ( Hexen, Zauberer, Riesen etc) gab, die ähnliche Superkräfte/Zauberkräfte besaßen und von denen es sogar heute  Filme von Walt Disney gibt: Cinderella (Aschenbrödel) oder „Frisch geföhnt“ ( Rapunzel ) sowie „Die Eiskönigin“ und natürlich „Schneewittchen und die 7 Zwerge“.

Dann sollte der Vorleser*in versuchen eine Brücke zu schlagen in dem er erzählt, dass es auch schon damals Menschen gab, die sich nicht haben einschüchtern lassen bzw. keine Angst hatten von der Größe oder von den Zauberkräften solcher Figuren, sondern die durch Schlauheit, List und Mut diese sogar besiegen konnten und dafür am Ende eine Belohnung bekamen.

Ehe alle Zutaten vermischt werden wird der Backofen „vorgeheizt“ d.h. der Spannungsbogen wird noch  zusätzlich erhöht indem man die Kinder durch eine motorische Übung versucht  aus der Realen- in die Märchenwelt abzuholen. Die Kinder werden nämlich aufgefordert sich alle auf den Boden zu setzten.

Hierbei ist zu beobachten, dass  die Kinder ganz unterschiedliche Sitzpositionen einnehmen. Es werden auf alle Fälle immer ein paar im „Schneidersitz“ sitzen. Fragt man nach, ob es für diese Sitzposition auch vielleicht einen Namen gibt so antworten in der Regel die Kinder zur großen Überraschung mit: Schneidersitz! Fragt man sie dann weiter, was der Schneider denn so macht, erhält man meistens noch eine richtige Antwort. Aber bei der Frage, warum sitzt der Schneider den so, gibt es keine Erklärung mehr. Hier kann  man schön als Vorleser ansetzten und die Kinder in  die Zeit mitnehmen, als der Schneider so im Mittelalter arbeitete: Kleine Fenster, daher wenig Licht im Raum und deshalb musste man als Schneider in der Nähe des Fensters sitzen um gut sehen zu können und an sinnvoller Weise auf einem Tisch, damit man alles was man zum Schneidern braucht (Hier gibt es eine weitere Möglichkeit nach den verschiedenen Werkzeugen zu fragen) um sich herum hatte. Gleichzeitig konnte der Schneider mit dieser Sitzposition, sprich Schneidersitz den zu bearbeiteten Stoff (das Tuch) von links nach rechts ziehen um den Stoff zurechtzuschneiden und zu nähen.

Unsere Geschichte spielt genau zu dieser Zeit und jetzt geht es los. Ach wie fängt das Märchen noch mal an? Kinder wieder „abholen“: Es war einmal….

 

Abgerundet wird es durch: Um bei den Kindern herauszufinden, was diese unter klein und groß verstehen, kann man erst zwei Kinder bitten auf den kleinen Flügeltafeln ( verdeckt von dem Blick der anderen Kinder ) das tapfere Schneiderlein als Strichmännchen zu zeichnen. Später, passend zum Verlauf der Geschichte bittet man wieder zwei Kinder einen Riesen neben das Schneiderlein zu zeichnen (wiederum verdeckt für die anderen Kinder) Am Schluss der Vorlesestunde kann man die Flügeltafel zusammenklappen und alle Zuhörer werden über das Ergebnis verblüfft sein.  

Zur „Verdauung“ nach der reichhaltigen Märchenkost wird empfohlen.

Durch Fragestellung am Ende des Märchens zu versuchen den Zuhörern anhand von zwei Beispielen  folgende Botschaften zu vermitteln.

1.) Jeder Mensch ob groß oder klein sollte lernen immer richtig zuhören! Auch sollte man so lesen, dass man alles richtig versteht und sich nicht scheuen auch mal nachzufragen, wenn man etwas nicht gleich verstanden hat. Nicht gleich etwas annehmen oder vermuten z.B.“ 7 auf einen Streich“ gleich mit Menschen in Verbindung bringen, wenn es gar nicht so klar formuliert ist bzw. dasteht. Hätte der Riese nämlich mal das Schneiderlein gefragt, was denn mit den „Sieben auf einen Streich“ gemeint sei und der geantwortet hätte: Fliegen! hätte der Riese sich wahrscheinlich totgelacht und das Schneiderlein zerquetscht.

Das gleiche passiert dem Schneiderlein noch einmal, als die Diener des Königs den schlafenden Schneider antreffen und den Spruch auf dem Gürtel gleich auf Soldaten beziehen (zumal es ja im Moment gar keinen Krieg gab).

So entstehen Missverständnisse (Vorurteile) weil man etwas annimmt oder glaubt zu hören, was gar nicht so gemeint ist. Das kann gut ausgehen (Der Riese war beeindruckt und der König ebenfalls), aber kann auch schlecht ausgehen und man fühlt sich verletzt, weil man was anderes versteht das der andere gar nicht so gemeint hat und man ärgert sich oder ist sogar beleidigt.

2) Außerdem sollte jeder Erwachsene und jedes Kind z.B. ein Versprechen (König zum Schneider) einhalten und nicht die Gutmütigkeit des anderen ausnutzen. Denn versprochen ist versprochen!

 

Nun wünscht der Lesemann allen  Vorlesern und Ihren Zuhörern viel Freude mit diesem wunderschönen Märchen.

Ach, das hätte ich ja fast noch vergessen: Und wenn Sie nicht gestorben sind  dann leben sie noch heute.