Lieber Lesemann!

Du hast dir gewünscht, dass ich dir einmal aus der Sicht der „Büchereitante“ schreibe, warum ich lesen und vorlesen für so wichtig halte.

Dafür muss ich doch ein wenig ausholen und von mir selbst berichten. Ich glaube, dass ich zu den Menschen gehöre, denen die Leselust angeboren ist. Schon als Kind habe ich Bücher gelesen wo und wann sich die Gelegenheit ergab. Da mein Taschengeld nicht für sehr viele Bücher reichte, habe ich schnell die Bücherei meines Stadtviertels entdeckt. Für mich war es das Paradies!

Aber während meiner Berufstätigkeit als Lehrerin und Rektorin einer Grundschule stellte ich fest, dass es Kinder gab, die gar nicht gern lasen. Als uns die ADD ( unsere Vorgesetzte Stelle) eine Schulbücherei genehmigte, suchten wir mit Feuereifer viele verschiedene Bücher aus. Und es klappte. Auf einmal kamen auch Kinder zum lesen, die vorher von sich meinten, sie könnten nicht so gut lesen. Ihnen empfahlen wir Bilderbücher, manche interessierten sich nicht für Geschichten, aber wir hatten ja auch Sachbücher, manche kamen durch Comics zum Lesen und die, die immer schon gelesen hatten, freuten sich über den 25. Band ihrer Lieblingsautorin. Wenn in einer großen Pause vorlesen angeboten wurde, kamen mehr Kinder als wir hinsetzen konnten. Sie verzichteten gern auf das toben auf dem Schulhof (was übrigens auch ganz wichtig ist!) und lauschten den vorgelesenen Geschichten.

Ich hoffe, dass viele Kinder jetzt , da sie nicht draußen spielen können, zum Buch greifen.

Es grüßt dich und alle, denen du vorliest
Hannelore, die „Büchereitante“!