Muss ich eigentlich in einer Vorlesestunde alles tolerieren?

 

Meiner Meinung nach: Nein! Und zwar dann nicht, wenn die Wertschätzung des ehrenamtlichen Vorlesens ignoriert wird.

Ein Beispiel aus der Praxis, wie man reagieren könnte:

Bevor ich den Erstklässlern vorlese, mache ich mit den Kindern immer ein paar motorische Übungen damit sie sich zunächst einmal „sammeln“ können.

An diesem bewussten Tag merkte ich, dass sich gleich zu Beginn zwei Gruppen bildeten. Eine größere, die mitmachten und die andere, die Quatsch machten. Auch meine mehrmalige Bitte, damit aufzuhören, ansonsten würde ich erst gar nicht vorlesen, stieß auf taube Ohren.

Der Versuch der ersten Gruppe ihre anderen Klassenkameraden umzustimmen gelang ebenfalls nicht. Also packte ich nach einigen Minuten ohne ein Wort zu sagen mein Buch und die Requisiten ein, um zu gehen.

Diese Entscheidung fiel mir natürlich nicht leicht, da ich in viele enttäuschte Kindergesichter blickte. Aber ich wollte  konsequent sein und die  Klassenlehrerin erzählte mir später, dass sie dies gut fand.

Der Vorfall wurde im Anschluss auch noch in der Klasse besprochen. Und als ich die Vorlesestunde zwei Wochen später wiederholte,- ich wollte doch die Kinder, die mich unterstützt hatten, nicht „bestrafen“- bekam ich zu meiner großen Überraschung und Freude einen Stapel Briefe. Jedes Kind  hatte einen Entschuldigungsbrief geschrieben!

 

Und die Moral von der Geschichte …..