Die Büchereitante

Lieber Lesemann!

Du hast dir gewünscht, dass ich dir einmal aus der Sicht der „Büchereitante“ schreibe, warum ich lesen und vorlesen für so wichtig halte.

Dafür muss ich doch ein wenig ausholen und von mir selbst berichten. Ich glaube, dass ich zu den Menschen gehöre, denen die Leselust angeboren ist. Schon als Kind habe ich Bücher gelesen wo und wann sich die Gelegenheit ergab. Da mein Taschengeld nicht für sehr viele Bücher reichte, habe ich schnell die Bücherei meines Stadtviertels entdeckt. Für mich war es das Paradies!

Aber während meiner Berufstätigkeit als Lehrerin und Rektorin einer Grundschule stellte ich fest, dass es Kinder gab, die gar nicht gern lasen. Als uns die ADD ( unsere Vorgesetzte Stelle) eine Schulbücherei genehmigte, suchten wir mit Feuereifer viele verschiedene Bücher aus. Und es klappte. Auf einmal kamen auch Kinder zum lesen, die vorher von sich meinten, sie könnten nicht so gut lesen. Ihnen empfahlen wir Bilderbücher, manche interessierten sich nicht für Geschichten, aber wir hatten ja auch Sachbücher, manche kamen durch Comics zum Lesen und die, die immer schon gelesen hatten, freuten sich über den 25. Band ihrer Lieblingsautorin. Wenn in einer großen Pause vorlesen angeboten wurde, kamen mehr Kinder als wir hinsetzen konnten. Sie verzichteten gern auf das toben auf dem Schulhof (was übrigens auch ganz wichtig ist!) und lauschten den vorgelesenen Geschichten.

Ich hoffe, dass viele Kinder jetzt , da sie nicht draußen spielen können, zum Buch greifen.

Es grüßt dich und alle, denen du vorliest
Hannelore, die „Büchereitante“!

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Kommentar eines Freundes

Lieber Ulf,

kurz vor Weihnachten habe ich auf der Startseite der Bundesrepublik.de das Interview mit Dir „Als One-man-Show kann ich etwas bewegen“ in Bezug auf ehrenamtliche Vorleser mit Begeisterung gelesen.

In diesem Zusammenhang kam mir dann in Erinnerung, dass  schon in unserer Jugend, du warst 17 oder 18 und ich so 14, 15 Jahre, die erste Leseleidenschaft begann und mich Deine Anregungen immer weiter in dieses große Feld der Literatur gezogen haben.
Dies ist im Verlauf meines bisherigen Lebens nie mehr abgeflacht und dafür bin ich Dir, lieber Freund, noch heute dankbar.

Auch im Moment, wo ich aus beruflichen Gründen, im arg gebeutelten Italien bin, ist das Lesen ein Helfer, dass mir die Decke in Zeiten unfreiwilliger Quarantäne nicht auf den Kopf fällt.

Das muss ich Dir nach nun  fast 50 Jahren einfach mal mitteilen…

Dein alter Freund
Hasso

 

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Post für Dich

Der Lesemann „und seine Freunde“ setzten eine liebevolle Idee um.

Pünktlich zum „Internationalen Kinderbuchtag 2020“ und wegen den Restriktionen rund um die Pandemie hatten Ulf … und seine Freunde die Idee vor Ostern Bücher an Kinder zu versenden (siehe Brief rechts).

Zusammen mit dem Kinderschutzbund Koblenz konnte diese Idee schnell umgesetzt und noch einmal stark erweitert. 5 Wochen nach dem Start nahm sie nun ungeahnte Umfänge an.

Auch Schulen nahmen an dieser Aktion teil. Bei der Rheinzeitung konnte man hierzu lesen.

… bleibt gesund ….

 

Die Rheinzeitung hat am 10.06.2020 unter Lokales einen Artikel zu unserer Aktion veröffentlicht. Leider dürfen wir diesen Artikel bzw. das Bild aus Gründen des Copyright hier nicht abbilden. Solange der Arikel auf der Homepage der Rheinzeitung verfügbar ist, können sie diesen über den folgenden Button erreichen.

Auszug aus der Schulzeitung der Joseph-Mendelssohn-Schule (Grundschule Horchheim) vom 20.08.2020

„Es gibt nichts Gutes, außer man tut es“. Nach diesem Motto des Schriftstellers Erich Kästner möchten der Kinderschutzbund Koblenz e.V. und Ulf Störmer, der Lesemann, möglichst vielen Kindern mit Büchern eine Freude bereiten. Lesen beflügelt die Phantasie und damit den Spaß am Lernen. Heute konnte der Kinderschutzbund für alle Klassen der Joseph Mendelssohn Grundschule in Horchheim eine Bücherkiste überreichen. Die Lehrer/innen wählten zuvor individuell die Kinderbücher für die Klassenbibliotheken aus. Die Kinder können nun abwechselnd ein Buch in ihrer Klasse ausleihen und mit nach Hause nehmen zum Lesen. Die Buchhandlung Reuffel und der Kinderschutzbund Koblenz haben die Buchpakete gepackt.

Das Buch „Der höchste Bücherberg der Welt“ ist auch dabei, auf den der „Mäuseritter“ klettern kann. Und wer weiß: vielleicht fühlst du dich beim Lesen auch wie „Der Lesewolf“, der unbeirrt die „Streithörnchen“ beobachtet oder auf ein „Kleines Schaf und großer Wolf“ trifft, während „Der schwarze Hund“ zuschaut, wie „999 Froschgeschwister ziehen um“ spielen. Wir hoffen, „Der Löwe in dir“ hat viel Spaß in der Schule und beim Lesen (lernen), auch wenn mit Corona alles „Irgendwie anders“ geworden ist.

Die Freude über das großartige Bücherpaketgeschenk ist den strahlenden Kindern anzusehen und wir sagen ganz herzlich DANKE SCHÖN an den Kinderschutzbund Koblenz e.V., an Ulf Störmer und an die Buchhandlung Reuffel.

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Interview mit der „One-man-show“

Serie „Ehrenamt und gesellschaftlicher Zusammenhalt“

„Als One-Man-Show kann ich etwas bewegen“

Die Vorlesepaten der Stiftung Lesen engagieren sich deutschlandweit und lesen an Schulen vor. Einer von ihnen ist Ulf Störmer (67), den die Kinder an der Regenbogen-Grundschule in Koblenz nur „Der Lesemann“ nennen. Ein Gespräch über ehrenamtliches Engagement, interaktives Vorlesen – und die Macht der Fantasie

 

 

Nur Kopie und als Button für den Beitrag so lange er auf der Seite der Bundes-regierung noch steht.

 

Ulf Störmer kennt sich aus mit Kinderbüchern: „Ist da Action drin? Da kannst Du aber von ausgehen! (Foto: Reiner Bing)

Sie gehen seit fast zehn Jahren jeden Monat in eine Grundschule, um dort Kindern vorzulesen. Was gab den Anstoß dazu?

Ulf Störmer: Auch vor zehn Jahren wurde schon viel über die Pisa-Studie geredet, über die Leo-Studie. Alle Welt beklagte sich, wie schlecht die Lesekompetenz der Kinder sei. Und da habe ich mir gesagt, ich stehe ja außen vor und kann da ganz neutral rangehen. Ich wollte etwas tun und auch der Gesellschaft etwas zurückgeben, denn ich habe großes Glück gehabt in meiner Kindheit und Jugend, dass auch mich andere Menschen zum Lesen gebracht haben. Lesen können ist die wichtigste Kulturtechnik, noch vor Schreiben und Rechnen, die für das Leben von essentieller Bedeutung ist. Gleichzeitig ist die Fähigkeit zu lesen ein immaterielles Kulturgut wie Musik oder Theater.

Welche Rolle spielte die Stiftung Lesen?

Störmer: Es gab dort ein Seminar dazu, wie man Vorlesepate wird. Das habe ich mit anderen zusammen besucht. Und als ich das Zertifikat hatte, stellte die Trainerin den Kontakt zur Regenbogen-Grundschule hier in Koblenz/Lützel her, wo ihre Kinder hingingen. Damals, am 26. November, das war der Vorlesetag 2010, habe ich allen drei ersten Klassen vorgelesen. Anschließend sagte die Schulleiterin: Für die Zukunft ist geplant, den Vorlesetag einmal im Monat als festen Bestandteil ins Schulleben zu integrieren.

Da waren Sie verpflichtet…

Störmer: Das hat mich damals umgehauen, weil das mein erster Test war. Seitdem mache ich das jeden Monat, und von dort aus ging es weiter auch zu anderen Schulen und anderen Veranstaltungen. Ich habe festgestellt, wie schön das Vorlesen ist.

Zehn Jahre ist eine lange Zeit. Warum haben Sie noch nicht genug davon vorzulesen?

Störmer: Weil ich mein Ziel noch nicht erreicht habe. Ich bin ja eine One-Man-Show und ich kann da ein bisschen was bewegen. Aber ich habe mich auch umgehört, wie es an anderen Grundschulen aussieht. 25 gibt es in Koblenz. Mein Ziel ist, mit den anderen, die es vor Ort gibt, das so umzusetzen, dass man an jeder Grundschule einen Vorlesepaten oder sogar mehrere hat.

Vorlesen ist ja nicht gleich vorlesen – wie laufen Ihre Besuche in der Schule ab?

Störmer: Mein Bild, das ich am Anfang hatte: Ich gehe in eine Klasse, habe dort einen Lesestuhl, so einen Ohrensessel, schlage das Buch auf und die Kinder lauschen – das ist nicht so. Die Kinder sind heute anders, auch durch die Medien, und nehmen Informationen stark über das Auge auf. Deshalb ist meine Methode: interaktives Vorlesen – mit allen Sinnen. Ich setze Bilder ein, lasse Szenen nachspielen. Wenn etwas mit Geruch zu tun hat, dann wird eine Frucht herumgereicht oder eine Rose. Die Idee dabei: Von der Geschichte, ob das jetzt über das Hören, Sehen, Riechen, Schmecken oder das Haptische ist, wird etwas hängen bleiben. Enorm wichtig ist es auch, den Inhalt der Geschichte zwischendrin durch Nachfragen immer wieder zu reflektieren.

Also merken Sie, wenn Sie nach einer Weile wieder in die Klassen kommen, dass das Vorlesen nachhaltig ist?

Störmer: Ja natürlich, es bleibt etwas. Beim nächsten Mal suche ich mir zum Beispiel fünf Kinder heraus und frage: Was habe ich Euch vor einem Monat erzählt? Dann geben die Kinder das in ihren Worten wieder, jedes immer nur einen Satz, und daraus bilden wir dann die Geschichte. Auch viel später erzählen mir Kinder, dass sie jetzt auch gerne lesen und welche Geschichte sie damals toll fanden. Ein schöneres Lob kann ich doch gar nicht haben, als wenn die Kinder sich nach Jahren noch an mich erinnern.

Es gibt vorlaute Kinder, stille Kinder, welche, die nicht mitmachen wollen. Wie bekommen Sie die alle motiviert?

Störmer: Wir sitzen im Halbkreis und ich versuche, die Kinder in die Geschichte einzubeziehen. Sie sollen Teil davon werden. Genau den vorlauten Jungen bitte ich zum Beispiel, für mich das Buch zu halten. Wenn jemand fragt: Herr Störmer, ist da Action drin? Dann sage ich: Da kannst Du aber von ausgehen! Die modernen Heros, die es heute gibt, die kommen in dem Märchen auch vor, da kommen Riesen drin vor, da kommen Zauberer drin vor.

Haben Kinder heute überhaupt noch Fantasie, trotz Handys, Tablets, dem Internet?

Störmer: Die Fantasie, die habe ich am Anfang so ein bisschen vermisst. Und das ist mit ein Grund, in jeder Vorleseaktion auch immer etwas anzustoßen. In den Bildern, die ich malen lasse, sieht man, dass die Kinder schon Fantasie haben, nur vielleicht anders als früher. Die Kinder malen über das, was sie gesehen und gehört haben, und dabei kommen ganz tolle Sachen heraus.

Woraus lesen Sie gerne vor?

Störmer: Das sind vor allem Kinderbilderbücher. „Wir gehen auf Bärenjagd“ ist so ein tolles Buch, bei dem die Kinder viel nachspielen können. Themen sind dabei wie Freundschaft, teilen, dass man Wort hält, dass man auch nicht übermäßige Kräfte haben muss, sondern schlau sein kann. Auch dass der Kleine dem Großen helfen kann.

Sie haben inzwischen selbst ja auch ein Buch geschrieben, „Der Pfannkuchenmann“. Worum geht es darin?

Störmer: Das ist eine moderne Geschichte vom dicken fetten Pfannkuchen, dem Klassiker. Es geht darum, dass ein Kind Freundschaft schließt mit einem sprechenden Pfannkuchen, der früher ein Junge war, der die Leute geärgert hat und von einem Zauberer deshalb verwandelt wurde. Er muss sieben Aufgaben lösen in vielen Ländern und zum Schluss gibt es natürlich eine große Überraschung. Da sind die Sachen eingeflossen, die ich in den letzten Jahren gelernt habe.

Und wenn Sie mal nicht vorlesen, sondern für sich selbst ein Buch in die Hand nehmen: Was lesen Sie?

Störmer: Meistens drei Bücher gleichzeitig, gerade eine Biografie von Bismarck, englische Bücher, Bücher über Menschen, die etwas bewegt haben. Aus Sachbüchern hole ich mir Ideen und kann ein bisschen entspannen. Krimis oder Fantasy, das ist alles nicht so mein Ding. Und ich kann auch an keinem Buchladen vorbeigehen, egal wo ich bin.

Die Bundesregierung unterstützt verschiedene Projekte der Stiftung Lesen. Das bundesweite Programm „Lesestart – Drei Meilensteine für das Lesen“ für Familien mit Kindern im Alter von einem, zwei und drei Jahren fördert sie bis 2021 mit sieben Millionen Euro. Im Auftrag des Bundesbildungsministeriums setzt die Stiftung Lesen auch das Programm „Lesen bringt uns weiter. Lesestart für Flüchtlingskinder“ um – seit 2018 mit 1,6 Millionen Euro für drei Jahre. Ziel des Projekts „Mentor – Die Leselernhelfer“ ist, die digitale Medienkompetenz von ehrenamtlichen Lesementoren über 60 Jahre zu stärken. 

Das hier abgebildete Interview wurde am 09.12.2019 von der Presseabteilung der Bundesregierung mit mir geführt und auf der Internetseite unter dem Link https://www.bundesregierung.de/breg-de/suche/vorlesepate-1706270 abgebildet. Da wir einerseits sehr stolz darüber waren auf der Seite der Bundesregierung abgebildet zu sein, andererseits aber nicht wußten, wie lange die URL dort bestehen bleiben wird, haben wir uns das Interview einfach ausgeliehen und auf unserer Seite „konserviert“ 

Liebes Pressereferat: Danke !

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