Tipp – Bilder nutzen

Warum empfiehlt es sich, Kindern beim Vorlesen einer Geschichte Illustrationen zu zeigen ?

Nun, die Frage ist relativ einfach zu beantworten. Heutzutage gibt es kein Medium ( außer Radio) was ohne bunte Bilder auskommt. Kinder wachsen damit schon früh auf. Die gezeigten Illustrationen beim Vorlesen sind aber auch deshalb so wichtig, weil viele Kinder selber wenig lesen und demzufolge es auch nicht gut können. Sie brauchen einfach noch Bilder um die Geschichte zu verstehen. Und dies sogar noch bis zur vierten Klasse. Dies trifft ganz besonders in Brennpunktschulen zu.

Meine Erfahrungen sind, dass dieses „Hilfsmittel“ allen zu Gute kommt. Dies merke ich immer wieder an den Kommentaren und Reaktionen der Kinder, wenn ich nach der vorgelesenen Passage herumgehe und jedem Kind das dazugehörige Bild zeige.

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Tipp – Bilderbuchkino

Wann sollte man ein Bilderbuchkino in Form einer Powerpoint Präsentation verwenden?

In den letzen Jahren sind aufgrund der gestiegenen Anzahl an Flüchtlingskindern in der Grundschule, die Anforderungen an die Lehrer/innen nochmals gewachsen, den Unterrichtsstoff zu vermitteln. Dies zeigt sich auch beim Vorlesen. Bedingt durch teilweise  fehlende  Deutschkenntnisse verstehen die Kinder die Geschichte nicht. Und die Zeit zu kurz, allen Kindern ( bis zu 20 ) die Illustrationen aus dem Buch zu zeigen, um den Zusammenhang für die Kinder begreiflich zu machen.  Da empfiehlt es sich mit einem Bilderbuchkino zu arbeiten.

Ein Kommentar nach einer solchen Vorlesestunde war z.B. „Die Kolleginnen haben durchweg ein positives Feedback gegeben. Sie haben es so wahrgenommen, dass die Kinder aufmerksamer und gefesselter waren, vor allem wohl dadurch, dass die Bilder in diesem Großformat waren. Schön war auch, dass es viele Details   auf den Bildern zu entdecken waren ( „Die Mäuseritter“ von Cornelia Funke)“

Ein weiterer wichtiger Aspekt sei noch erwähnt. Die Bilder hatten keinen Text und somit wurden die Kinder hierdurch auch nicht abgelenkt und konnten sich zu 100 % voll auf die Bilder konzentrieren. Des Weiteren stand ich hinter der  Klasse als ich vorlas und war nicht im Gesichtsfeld der Kinder (Also keine Frontal Vorlesestunde) Die Kinder waren somit in Ihrer eigenen Welt! Ich konnte dabei an der Mimik eines syrischen Flüchtlingsmädchens, das erst vor 3 Wochen nach Deutschland gekommen war, beobachten, dass es die Geschichte verstand, obwohl die deutsche Sprache ihr damals vollkommen fremd war

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Wir brauchen einen Lesepakt !

Interview mit der bekannten Kinderbuchautorin
Dr. Kirsten Boie

Das unten aufgeführte Interview wurde von Frau Wasserbäch geführt und am 14./15. März 2020 in der Stuttgarter Zeitung abgedruckt.NDas Interview sprach mich so an – sprach mir so aus dem Herzen, dass ich die Rechte zum Abdruck auf meiner Homepage erwarb. Frau Dr. Kirsten Boie herzlichen Dank für die guten Worte aus einer uns alle beschäftigenden und not leidenden Praxis. Der Stuttgart Zeitung meinen Dank für die freundliche Unterstützung. Und ihnen allen eine gute Lektüre.

Aus Gründen des Urheberrechts musste das Bild von Frau Dr. Kirsten Boie leider in den Topf des Weichzeichners fallen – anderweitig wäre noch ein Betrag für die/den Fotografen erforderlich gewesen :).

Frau Boie, wie haben Sie das Lesen für sich entdeckt?
Ich habe mir als Kind schon sehr früh das Lesen selbst beigebracht, wie das damals viele gemacht haben. Bücher waren ja das einzige Medium, das es gab, um aus dem Alltag auszubrechen. Mir ist auch vorgelesen worden, erst Wilhelm Busch und zu meiner großen Begeisterung später „Pippi Langstrumpf“. In den Büchern haben Kinder Dinge erlebt, die es in meinem Nachkriegsalltag nicht gab.

Sie stammen aber nicht aus einem akademischen Elternhaus.
Meine Eltern haben dennoch beide gelesen, die Bücher kamen vom Bertelsmann-Lesering. Meine Eltern wollten, dass ich einen guten Bildungsabschluss habe, auch wenn sie das nicht mit Büchern in Verbindung gebracht haben. Dabei wissen wir heute, dass Bücher Kindern den Zugang zu vielen Dingen ermöglichen. Meine Eltern hatten nicht viel Geld. Büchereien waren mein ganz großes Glück. Einmal die Woche war ich dort, um mich reichlich auszustatten.

Welches Buch hat Sie geprägt?
Mit fünfzehn bekam ich zu Weihnachten „Weine, du geliebtes Land“ geschenkt. Es kam aus einem Antiquariat. Der Besitzer muss ein kluger Mann gewesen sein, er hatte die Bücher gut ausgewählt. In diesem Buch ging es um die Apartheid in Südafrika. Die Erschütterung, die dieses Buch in mir verursachte, kann ich bis heute spüren.

Was kann Literatur leisten?
Sie kann nicht nur Freude machen, sondern auch unglaublich gut trösten. Und sie kann natürlich auch Türen aufstoßen. Ich bin nach wie vor überzeugt, dass manches über Sprache gelingen kann, was über das Bild nicht funktioniert. Weil ich beim Leses eines Buchs in meinem eigenen Innern stöbern muss, um die Bilder und Gefühle dafür zu entwickeln. Ein Buch ist immer notwendigerweise mit meinen eigenen Erinnerungen, Erfahrungen und Gefühlen verknüpft. Mehr als ein Film. Der kommt auch ohne aus. Was beispielsweise beim Wort „Vater“ im Kopf von jemandem passiert, das wird stark davon abhängen, wie man den eigenen Vater erlebt hat. Unsere eigene Erfahrung bestimmt, wie wir Bücher lesen.

Diese Erfahrung bleibt vielen Menschen verwehrt. Untersuchungen belegen, dass fast jeder fünfte Viertklässler nicht sinnentnehmend lesen kann. Was bedeutet das?
Das heißt, dass sie die Buchstaben zwar zusammenziehen können und so die Lehrer und andere hereinlegen können. Aber das fällt ihnen so schwer, dass der Kurzzeitspeicher nicht ausreicht, um sich das bis zum Schluss zu merken, was am Anfang stand. Vereinfacht ausgedrückt. Deshalb können sie den ganzen Satz nicht verstehen. Und für Texte reicht diese Lesefähigkeit gar nicht aus. Für sechs Prozent der Kinder reicht die Fähigkeit nicht einmal auf der Wortebene aus, was auch keine ganz geringe Zahl ist. Und Pisa hat eben bestätigt, dass diese 20 Prozent auch noch für die 15-Jährigen gelten. Was das für deren Berufsbildung heißt, kann man sich ausmalen. Das ist dramatisch. Auch für die Demokratie.

Warum das?
Qualifizierte Meinungsbildung verläuft immer noch zum größten Teil über Texte. Diese Menschen haben es nie gelernt, komplexe Zusammenhänge aus Texten zu erfassen. Als Erwachsene können sie keine Zeitungen lesen. Auch wenn das Fernsehen sich bemüht, komplexe Zusammenhänge darzustellen, bin ich mir sicher, dass sich diese Menschen diese Sendungen nicht ansehen werden. Die Konsequenzen für die Demokratie sind noch gar nicht richtig abzuschätzen. Der Populismus nimmt aber zu. Und gerade Menschen, die nicht lesen können, die keinen qualifizierten Beruf haben und deshalb an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden, neigen nachvollziehbarerweise dazu, Sündenböcke zu suchen. Die greifen schnell zu populistischen Erklärungen. Das halte ich für eine große Gefahr. Es ist kein Zufall, dass in Diktaturen immer zuerst die Journalisten verfolgt und Bücher verbrannt werden.

Was kann man tun? Was müssen Eltern und Lehrer leisten? Wo hakt es?
Es beginnt ganz früh bei der Sprachentwicklung. Viele Eltern sprechen nicht mehr viel mit ihren Kindern, weil den ganzen Tag im Hintergrund unbeachtet der Fernseher läuft, das Handy eine Whatsapp meldet, auf der Konsole gespielt oder Youtube geguckt wird. Und viele Eltern sind auch des Deutschen nicht so mächtig. Und da sind die Kitas gefordert: Erzieherinnen und Erzieher müssten für alltagsintegrierte Sprachförderung und Vorlesen qualifiziert sein, wir bräuchten mehr von ihnen, und das Gleiche gilt auch für Schulen.

Sie finden, es gibt zu wenige Lehrer?
Jeder weiß, dass wir viel zu wenig Grundschullehrer haben. Und im Studium müssten ihnen die neuesten Methoden der Lesevermittlung beigebracht werden. Das findet oft nur am Rande statt. Dabei weiß man inzwischen so viel. Wir haben aber das Problem des Föderalismus: Während das eine Bundesland auf eine Maßnahme setzt, macht das andere Bundesland etwas anderes. Es muss doch gemeinsam entschieden werden, das zu machen, was offenbar gut funktioniert. Das müsste in der Kultusministerkonferenz sehr viel mehr passieren. Für die Kitas und die Elternarbeit fehlt in den Kommunen viel Geld, den Bundesländern fehlt es für die Studienplätze und Einstellung der Lehrer.

Was ist zu tun?
Der Bund, der es geschafft hat, den Digitalpakt möglich zu machen, weil da eine massive Lobby dahintersteckt, müsste etwas Ähnliches für das Lesen tun. Wir brauchen einen Lesepakt. Es braucht Bundesmittel, die auf allen Ebenen genutzt werden können. Uns fehlt bisher schlichtweg die Lobby.

Sie waren selbst Lehrerin. Erkennen Lehrer die leseschwachen Kinder?
Wir wissen, dass nur etwa 30 Prozent entdeckt und erkannt werden. Aber wenn sie es tun, welche Möglichkeiten haben die Lehrer, diesen Kindern zu helfen? In anderen Ländern müssen Lehrer schon früh nach ihnen suchen und dann werden unterstützende Maßnahmen angeboten. Wir haben ehrenamtliche Helfer – aber nicht genug. Dadurch wird schon einiges erreicht. Doch der Staat hat einen Bildungsauftrag. Wir können das nicht von Ehrenamtlichen erwarten. Und auch nicht von den Eltern. Viele können das aus unterschiedlichen Gründen nicht leisten. Lesenlernen bleibt die Aufgabe der Gesellschaft und des Staates.

Ihr Plädoyer für das Lesen ist aber keines gegen das Digitale?
Nie im Leben. Aber das Lesen ist grundlegender. Ohne Lesen geht gar nichts. Es gibt nichts, was ohne Lesen funktioniert.

Anja Wasserbäch

Aus: Stuttgarter Zeitung, Wochenende, 14./15.3.2020

Frau Dr. Kirsten Boie ist bereits seit längerer Zeit in Sachen Leseförderung „unterwegs“ und hatte schon früher an anderer Stelle entsprechende Artikel herausgegeben. U.A. ist sie Mitinitiatorin der bekannten „Hamburger Initiative“ (siehe den roten Kasten). Eine Freundin hat uns die entsprechenden Links hierzu hergegeben und wir stellen diese sehr gerne als Verlinkung dem oben abgedruckten Interview und „der guten Sache“ zur Seite.

 

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Phantasie …. Reisen

Bücher sind für mich eine eigene Welt! Das Lesen ist eine Reise in diese Welt! Eine Reise ins Reich der Phantasie!

Ich kann alles sein! Als Kind begleitete mich das Buch „Mein Freund, der kleine Vampir“ von Siebke. Ich habe dieses Buch geliebt, weil ich alle Figuren sein durfte, das Kind, das das Abenteuer erlebt, der junge Vampir, der von einem fernen Jahrhundert und seinem Leben erzählt! Und natürlich durfte ich mich als Freund fühlen! Das Buch war mein Freund! Und so geht es mir heute auch noch bei meinen Lesungen, ob es Shakespeares Sonette sind, Märchen von Brentano oder Kishons Geschichten, die ich vortrage. Die Geschichten sind unsere Freunde.

Als Vortragender und Schauspieler nehme ich meine Zuhörer mit auf die Reise und wir leben die Abenteuer des „Witzenspitzel“ im gleichnamigen Märchen von Brentano und dürfen lachen, weinen und leben!
Bücher sind „das Tor zur Phantasie “ ( Esther Wäcken)!

Natürlich freue ich mich über die Veröffentlichung beim „Lesemann“

Herzlichst Annika Woyda
Schauspielerin

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Erich Kästner grüsst ….

Dieser Ausschnitt aus einem uns unbekannten Werk von Erich Kästner fasziniert und hält die Idee des Lesens in Worten fest. Der Computer-Mensch würde sagen das ist vielleicht so etwas wie ein „Code-Snippet“, … und den konnten wir nicht einfach unbekannt irgendwo liegen lassen.

„Wenn ein Kind lesen gelernt hat und gerne liest, entdeckt und erobert es eine zweite Welt, das Reich der  Buchstaben. Das Land des Lesens ist ein geheimnisvoller, unendlicher Erdteil. Aus Druckerschwärze entstehen  Dinge, Menschen, Geister  und Götter, die man sonst nicht sehen könnte. Wer noch nicht lesen kann, sieht nur, was greifbar vor seiner Nase liegt oder steht: den Vater, die Türklingel, den Laternenanzünder, das Fahrrad, den Blumenstrauß und, vom Fenster aus, vielleicht den Kirchturm. Wer lesen kann, sitzt über einem Buch und erblickt mit einem Male den Kilimandscharo oder Karl den Großen oder Huckleberry Finn im Gebüsch oder Zeus als Stier, und auf seinem Rücken reitet die schöne Europa. Wer lesen kann, hat ein zweites Paar Augen, und er muss nur aufpassen, dass er sich dabei das erste Paar nicht verdirbt.

Ich las und las und las. Kein Buchstabe war vor mir sicher. Ich las Bücher und Hefte, Plakate,  Firmenschilder, Namensschilder, Prospekte, Gebrauchsanweisungen und Grabschriften,, Tierschutzkalender, Speisekarten, Mamas Kochbuch, Ansichtsgrüße , Paul Schurigs Lehrezeitschriften, die „ Bunte Bilder aus dem Sachsenland“ und die klitschnassen Zeitungsfetzen, worin ich drei Stauden Kopfsalat nach Hause trug.

Ich las, als wär es Atem holen. Als wär ich sonst erstickt. Es war eine fast gefährliche Leidenschaft. Ich las, was ich verstand und was ich nicht verstand.“ Das ist nichts für dich“, sagte meine Mutter“,  das verstehst du nicht!“ Ich las trotzdem. Und ich dachte: „ Verstehen denn die Erwachsene alles, was sie lesen?“ Heute bin ich selber erwachsen und kann die Frage sachverständig beantworten. Auch die Erwachsenen verstehen nicht alles. Und wenn sie nur läsen, was sie verstünden, hätten die Buchdrucker und die Setzer in den Zeitungsgebäuden  Kurzarbeit.

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