Tipp – Interaktives Vorlesen mit sehenden und nicht sehenden Kindern.

Auch die unterschiedlichen Dimensionen einer Übersetzung des Harry Poter Buches in die Brail-Blindenschrift ist nicht zu unterschätzen. Hierzu ein  Foto im 1:1 Vergleich.

Wir konnten die Bildquelle für dieses Foto nicht ermitteln, sind aber sicher, dass sie uns dies bei diesem sehr wichtigen Anliegen gerne nachsehen. Sollte Ihnen der Urheberrechts-Status dieses Bildes bekannt sein, so melden sie sich bitte bei uns damit wir dies hier korrigieren können.

 

 

 

Tipp – Interaktives Vorlesen mit sehenden und nicht sehenden Kindern

Meine berufliche Tätigkeit als Erzieherin und Sozialpädagogin sowohl  im Bereich der Heimerziehung als auch im Internat an einer Blindenschule liegt zwar schon etwas zurück, vielleicht sind meine Erfahrungen in diesem schwierigen Bereich als Vorleserin, dem einen oder anderen hilfreich.

Mein früheres Arbeitsgebiet führte mich zu Jugendlichen im Internatsbereich an eine Blindenschule. Hier sammelte ich ganz wesentliche und auch für mich persönlich enorm wertvolle Erfahrungen.

Ganz anders als bei den bisherigen Arbeitsgebieten,  lag es nun zuerst einmal an mir, Neues zu lernen und zu „begreifen“.

Dieses Mal lag es also erst einmal bei mir, mich als Person und Fachkraft im erzieherischen Bereich der  Thematik „ Blindheit“ adaptieren zu lernen.

Dies geschah in einer Art Crashkurs, einer Selbsterfahrung mit Unterstützung einer sogenannten Mobilitätstrainerin. Eine aufschlußreichere Erfahrung kann ich mir bis heute in diesem Zusammenhang nicht vorstellen. Mir hat es wahrlich „ die Augen geöffnet“

Die erste große Erkenntnis, die ich dort gewonnen habe war, dass für diese Jugendlichen deren Blindheit „nur“  ein fehlender Sinn unter vielen verbliebenen, wertvollen  Sinnen darstellte.

Im Internatsbereich traf ich dann auf Jugendliche im Alter von 12-17 Jahren, die abgesehen von ihrer Erblindung, mit allen liebgewonnenen, wie auch herausfordernden Facetten ihrer sehenden AlterskollegenInnen ausgestattet waren. Ganz genauso,  wie ich es von meiner bisherigen Arbeit mit Jugendlichen außerhalb ihres Elternhauses her auch kannte.

Für meine Arbeit im außerschulischen Bereich gab es kaum einen Unterschied zu den Alltagsthemen sehender Jugendlicher mit den altersentsprechenden Interessen im zwischenmenschlichen und gesellschaftlichen Bereich. Die eigene Blindheit stand keineswegs im Vordergrund und schien auch nicht das Problem zu sein.

In vielen interessanten Gesprächen thematisierten die Jugendlichen  ganz klar und sachlich die von ihnen regelrecht als diskriminierend empfundenen Reaktionen „ Sehender“ auf diesen fehlenden oder verlorenen Sinn des Sehens.  Diese deutlich spürbare Angst  innerhalb der Gesellschaft, hinsichtlich einer möglichen Erblindung zeichneten sie für viele Vorurteile verantwortlich. Man erkannte schnell ein gesellschaftliches Tabu.  Da gegenüber stand diese Gruppe klar denkender, reifer Jugendlicher, die aber in ihren Gefühlen genauso verletzbar waren.

Ich erkannte  in meiner Gruppe eine hohe Sensibilität, geradezu eine Neugierde  gegenüber sozialkritisch betrachteter Alltagsthemen, mit  Problemen und Sorgen, wie sie selbstverständlich auch im Leben sogenannter „Nichtbehinderter“ auftraten.

Hierzu ein Buch, das ich damals auf Wunsch der Jugendlichen vorgelesen habe:  „ Wir Kinder vom Bahnhof Zoo“ mit der Lebensgeschichte der Christiane F.

Noch heute freue ich mich an der Erinnerung an die ausführliche  Nachbesprechungen  und die hochinteressanten Diskussionsbeiträge.

Warum war das Vorlesen auch bei den Jugendlichen so wichtig?

Von Neuerscheinungen oder aktueller Literatur waren blinde LeserInnen damals quasi ausgeschlossen. In der Regel war man  auf einen Vorleser (entweder live oder auf Kassette ) oder auf die Umwandlung in die Tastschrift Braille angewiesen. Eine zeitaufwendige und meist kostspielige Angelegenheit.

Einen  weiteren, nicht unwesentlichen  Hinderungsgrund für einen schnellen  Zugang zur aktuellen Literatur für Blinde,  stellten  die „ internationalen  Urheberrrechte“  der Autoren und Verleger dar.

Viele Jahre forderte der Deutsche Blinden- und Sehbehinderten- Verband, einen verbesserten Zugang zur Literatur. Die Weltorganisation für geistiges Eigentum, die WIPO, schloss im Jahre 2013 das sogenannte „Marrakesch Abkommen“, das dann schließlich sechs Jahre später , im Januar 2019 verabschiedet werden konnte.

Somit ist heute der Weg für einen barrierefreien, weltweiten Zugang zur Literatur und damit zu einer besseren Versorgung auch für blinde LeserInnen erreicht.

Dennoch wird das Thema Vorlesen von Kinderbüchern , besonders bei den jüngeren sehbehinderten und blinden Kindern bis heute,  kaum an Relevanz eingebüßt haben.

Übrigens:  Spezielle , sehr schön taktil illustrierte, inklusive Bücher, beispielsweise aus der Reihe „ Anderes Sehen“ sind für alle Kinder interessant und lohnenswert.

So kann auch ein sehendes Kind mit der Thematik Blindsein spielerisch vertraut gemacht werden und somit schon in seinem jungen Alter dazu beitragen, Vorurteile in der Gesellschaft abbauen zu helfen.

„Angst macht nur etwas, das man nicht kennt!“

Es grüßt dich und alle Interessierten
Anke

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Tipp – Vorlesen in der Heimerziehung

Tipp – Vorlesen in der Heimerziehung

 

Lieber Lesemann!

Du hast dir gewünscht, dass ich dir einmal aus einer anderen Sicht zu meinen Erfahrungen beim „Vorlesen“ schreibe und natürlich  warum ich lesen und vorlesen für so wichtig halte. Es sollten Tipps aus der Praxis werden.

Meine berufliche Tätigkeit als Erzieherin und Sozialpädagogin sowohl  im Bereich der Heimerziehung als auch im Internat an einer Blindenschule liegt zwar schon einige Jahre zurück, dennoch denke ich, dass meine Erfahrungen auf dem Gebiet der Kinder- und Jugendliteratur als Vorleserin, dem einen oder anderen  von Interesse sein könnten.
Speziell bei meiner Arbeit im Heim erfuhr ich, wie hilfreich es sein kann, durch eine ganz gezielt ausgewählte Vorlesegeschichte, dem Kind, das ja  jeweils seine ganz eigenen Lebensgeschichte mitbringt, ganz unaufdringlich näher zu kommen. Zum Einsatz kamen sowohl phantastische Erzählungen, wie auch wirklichkeitsnahe Alltagsgeschichten, die von realistischen  Gegebenheiten erzählten, die die Kinder aus ihrer Umwelt kannten. Jedes Kind hat eine ganz eigene,  wunderbare , vertrauensvolle  Fähigkeit eine solche Geschichte zu adaptieren, sich beispielsweise mit einem kindlichen Helden zu identifizieren, dessen positiven Charakter zu erkennen, oder auch Probleme in der Geschichte aufzudecken, zu ordnen und zu lösen. Es spürt, dass es als Teilnehmer der Geschichte ernst genommen wird und sich sicher darin bewegen kann.
Gerade das Vorlesen vermittelt dem Kind eine besondere Art der Zuwendung durch den Vorleser, dessen Vorlesegeschichte in  Geborgenheit und Wärme. Eine optimale Voraussetzung, um auch unbequeme Themen ansprechen zu können.
Ohne, dass man als Erwachsener den ganz persönlichen Gefühlen eines Kindes zu nahe treten muss, hat dieses  nun die Möglichkeit, in der spürbaren Nähe des Vorlesers und mit einem sicheren, emotionalen Abstand zur in der Geschichte angesprochenen Problematik, eigene Erlebnisse und Defizite zu erkennen und persönlich aufzuarbeiten.
Themen wie Angst, Schuldgefühle, Anderssein, Dazugehören, Vorurteile, Aggression bis hin zu einfachen  Problemlösungsvorschlägen  und vieles mehr, wirken hier lange nicht mehr so bedrohlich, wie in einem direkten Gespräch.
Ich erfuhr, wie wertvoll es gerade bei Kindern sein kann, wenn die Geschichte zum Leser / Zuhörer und der Leser / Zuhörer  mitten in die Geschichte hinein findet.

Mir als Vorleser eröffnete sich bereits im ‚Währenden‘,  wie auch  im ‚Danach‘ der Geschichte ein breites Spektrum an Möglichkeiten, hier  pädagogisch weiter zu „ entwickeln .
Bei leseerfahrenen, etwas älteren Kindern endete meine Vorlesekunst auch manchmal ganz bewusst mitten in einer spannenden Szene, was das Kind  zum eigenständigen Weiterlesen animierte.  Hinterher konnte es dann selbstständig entscheiden,  ob die Geschichte abgeschlossen war oder ob es noch einer gemeinsamen  Nachbetrachtung bedurfte.


Es grüßt dich und alle Interessierten
Anke

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Tipp – Spiele und Suchbilder einsetzen

Was kann ich machen, wenn meine jungen Zuhörer unruhig werden und meiner Geschichte nicht mehr konzentriert folgen?

Auf jeden Fall sollten Sie nicht versuchen, weiter zu lesen, indem Sie schneller vorlesen um die Geschichte doch noch zu Ende zu bringen. Sie tun sich und den Kindern keinen Gefallen, denn Sie haben diese bereits „verloren“ und müssen versuchen diese wieder „einzufangen“. Dazu bieten sich folgende Auflockerungs- und Entspannungsübungen an:

Das Zoodirektor Spiel:

„Ich bin jetzt der Zoodirektor und Ihr seid alle meine Tiere. Bitte steht alle auf und verteilt Euch im Raum. Ich mache Euch jetzt vor (darstellerisch und mit der entsprechenden Tierstimme) welches Tier ihr alle bitte nachmachen sollt.“

Kleiner Tipp: die Kinder dürfen natürlich auch mal ein Tier benennen.

Man kann auch eine Schweigeminute mit geschlossenen Augen durchführen. Sie werden sich wundern, zu was Kinder alles fähig sind!

Eine andere Möglichkeit der Entspannung sind Tai Chi Übungen mit so lustigen Namen wie „Das Nashorn trinkt Wasser“ oder „Der König stützt die Pagode“ oder „ Die Schildkröte paddelt „

Die zeitlich flexibelste Auflockerungsübung mit den meisten Variationsmöglichkeiten ist, sich mit den Kindern Suchbilder auf der Leinwand mit Beamer anzusehen. Dazu bieten sich die Bilder aus folgendem Buch an:

„Finde dein Glück“ von Daniel Müller (Beispiel links)

Diese zauberhaften, sehr aufwendig illustrierten und ganz außergewöhnlichen Such- Wimmelbilder sind einfach Klasse. Nicht nur die Kinder, sondern auch die LehrerInnen haben damit viel Spaß, in dem sie an der Leinwand mit Hilfe eines Zeigestocks versuchen, einen Gegenstand zu finden. Es ist dabei oft der Fall, dass ich aus der Ferne den zu findenden Gegenstand sehe, ihn dann aber in der Nähe überraschenderweise aus den Augen verliere. Die bunten verschiedenen Alltagsbilder bieten zusätzlich auch die Möglichkeiten an, über einzelne Personen, Tiere oder auch Szenen mit den Kindern zu sprechen und auch Fragen dazu zu stellen. Sie werden sehen, wie ausgewechselt die Kinder anschließend sind.

Und Sie haben wieder die volle Aufmerksamkeit der Zuhörer, um die Geschichte zu Ende vorzulesen.

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Tipp – Kinderverhalten tolerieren?

Muss ich eigentlich in einer Vorlesestunde alles tolerieren?

 

Meiner Meinung nach: Nein! Und zwar dann nicht, wenn die Wertschätzung des ehrenamtlichen Vorlesens ignoriert wird.

Ein Beispiel aus der Praxis, wie man reagieren könnte:

Bevor ich den Erstklässlern vorlese, mache ich mit den Kindern immer ein paar motorische Übungen damit sie sich zunächst einmal „sammeln“ können.

An diesem bewussten Tag merkte ich, dass sich gleich zu Beginn zwei Gruppen bildeten. Eine größere, die mitmachten und die andere, die Quatsch machten. Auch meine mehrmalige Bitte, damit aufzuhören, ansonsten würde ich erst gar nicht vorlesen, stieß auf taube Ohren.

Der Versuch der ersten Gruppe ihre anderen Klassenkameraden umzustimmen gelang ebenfalls nicht. Also packte ich nach einigen Minuten ohne ein Wort zu sagen mein Buch und die Requisiten ein, um zu gehen.

Diese Entscheidung fiel mir natürlich nicht leicht, da ich in viele enttäuschte Kindergesichter blickte. Aber ich wollte  konsequent sein und die  Klassenlehrerin erzählte mir später, dass sie dies gut fand.

Der Vorfall wurde im Anschluss auch noch in der Klasse besprochen. Und als ich die Vorlesestunde zwei Wochen später wiederholte,- ich wollte doch die Kinder, die mich unterstützt hatten, nicht „bestrafen“- bekam ich zu meiner großen Überraschung und Freude einen Stapel Briefe. Jedes Kind  hatte einen Entschuldigungsbrief geschrieben!

 

Und die Moral von der Geschichte …..

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Tipp – VorleserInnen in der Kita

VorleserInnen bereits in der Kita ?

Hallo, lieber Lesemann,

ich, eine pensionierte Grundschullehrerin aus Wiesbaden, verfolge Deine verschiedenen Aktivitäten auf dem Gebiet der Leseförderung seit nunmehr zwei Jahren. Dein Engagement finde ich beeindruckend und für zahlreiche Kinder sicher sehr wertvoll.

Gestatte mir heute einmal einen kleinen, gut gemeinten Hinweis, was die Vorbereitung von Kindern aufs Lesen betrifft. Es ist hinreichend bekannt, dass in vielen Familien der Umgang mit  Büchern bei den Kleinkindern nicht gefördert wird. Dann folgt die Kitazeit, in der natürlich vorgelesen wird, und dann folgt die Grundschule. Dort kommst Du als Lesemann ins Spiel.

Aber wäre es nicht denkbar, bereits in den Kitas ehrenamtliche VorleserInnen einzusetzen? Denn durch das Vorlesen von Geschichten  und das Vorlesen zu Bildern – Bilderbücher – wird das Interesse auf Geschriebenes geweckt. Der Unterschied zum Erzählen von Geschichten ( was ebenfalls wichtig ist) besteht darin, dass man diese Geschichten beliebig oft vorlesen kann. Kleinkinder lieben es, dieselben Geschichten immer wieder zu hören und sie evtl. schon mitzusprechen („ mitlesen“). Durch das Vorlesen wird der Wunsch geweckt, selbst lesen zu können.

Wenn das schon im Vorschulalter auch durch externe VorleserInnen gepflegt wird, kann die Grundschule auf Vorerfahrungen zurückgreifen. Es wäre empfehlenswert, dass die Kitas mit den Grundschulen auf diesem Gebiet eng zusammen arbeiten würden. So könnte es einen gleitenden Übergang vom „Vorleser“ in der Kita zum „Vorleser“ in der Grundschule geben.

Aufgrund meiner persönlichen Erfahrung kann ich sagen, dass es vorteilhaft ist, auch männliche Vorleser einzusetzen. Denn das Personal in Kita und Grundschule besteht größtenteils aus Frauen. Zudem gibt es zahlreiche Kinder, die mit alleinerziehenden Müttern aufwachsen.. Kinder lieben es, auch von männlichen Personen betreut zu werden. In manchen Kulturkreisen ist das eher unüblich.

Mein Fazit: „Lesemänner“ schon in Kitas wäre super!

Maria G. aus Wiesbaden

Kommentar:

Vielen Dank Maria für Deine Post und Anregung. Es wäre doch denkbar, wenn an dem Beispiel der Informationsbroschüre des Ministeriums für Bildung Rheinland Pfalz” Erfolgreiches Gestalten des Übergangs von der Kindertagesstätte in die Grundschule – eine gemeinsame Aufgabe für Erzieherinnen und Erzieher und  Lehrerinnen und Lehrer”  solch eine Empfehlung zukünftig darin ausgesprochen würde. Viele Grüße vom Lesemann

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